János Fodor



Born in Hungary 1975. Graduated at the Intermedia Department, University of Fine Arts, Budapest 2004. Lives in Berlin. If you like to have the CV please contact the gallery.

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János Fodor - Dosier



Der Reiz der Monotonie

János Fodor bringt urbane Räume zum Klingen, er schafft fantastische Lebewesen und findet im Gewöhnlichen das Besondere. Kunst - und Alltagswelt gehen bei ihm fließend ineinander über. Als Ausdrucksmittel nutzt er die Zeichnung, die Fotografie, die Video - sowie die Objektkunst, um sich mit der Wahrnehmung von Realitäten und dem Verhältnis von Oberfläche und Substanz auseinander zu setzen.
Nach seiner Begegnung mit Werken der wilden Malerei der 1980er Jahre stand für János Fodor fest, dass er dieser expressiven, lauten Gestik etwas komplett anderes entgegensetzen wollte. In den 1990er Jahren entdeckte der Künstler für sich das Medium der Zeichnung und deren Möglichkeit Wesentliches verkürzt darzustellen. Den Anfangspunkt in Fodors Werk markieren kleinformatige, stark reduzierte Zeichnungen, die zarte Lebewesen, amorphe Formen oder teilweise nur einfache Linien beinhalten. Der Bildgegenstand ist in der Blattmitte konzentriert und kommt dabei völlig ohne Hinter- und Vordergrund aus. Nicht aus einer gedanklichen Idee, sondern aus der physischen Bewegung heraus entstanden jene Arbeiten, die uns in ihrer Spontaneität am Gedankenlauf des Künstlers teilnehmen lassen. Fodors Formensprache orientierte sich dabei weniger an anderen bildenden Künstlern oder vergangenen künstlerischen Tendenzen, sondern folgte eher einer Strömung zeitgenössischer elektronischer Musik. So wie der Punk einen starken Einfluss auf  die Malerei der Jungen Wilden in den 1980er Jahren ausübte, prägte die Szene des Minimal-Techno der 1990er Jahre die zeichnerische Arbeit von János Fodor. Minimal, als experimentelle Weiterentwicklung des Techno, ist charakterisiert durch seine niedrige Geschwindigkeit und eine stark monotone Struktur, die durch verschiedene Klänge, kleine Unregelmäßigkeiten und angedeutete Melodien variiert wird. Die Zeichnungen von Fodor folgen einem ähnlichen Muster. Bei aller Reduktion und Klarheit, sowohl in der sparsamen Verwendung von Linien und Flächen als auch in der Farbigkeit, finden sich überraschende Effekte und Störmomente. Dies geschieht durch eine farbliche Betonung, narrative Verknüpfungen zwischen den Bildgegenständen oder auch durch das Einstreuen bekannter Bildzitate aus der Alltags- und Popkultur. Vor allem die großformatigen Zeichnungen widersetzen sich einer einfachen Deutung und bieten so für den Betrachter Raum für Ass oziationen und Gedankenspiele.   Die Kamera ist János Fodors ständiger Begleiter auf seinen Reisen sowie bei alltäglichen Streifzügen durch Stadtlandschaft. So entsteht eine umfangreiche zusammenhängende Sammlung von  Einzelbildern, die unter dem Projekttitel Archivity gebündelt werden. Einem dokumentarischen Ansatz folgend bewegt sich Fodor wie ein Flaneur durch den urbanen Raum und hält dabei fest, was er in dem Moment wahrnimmt: Straßenschilder, Ladengeschäfte, Häuserecken, Stadtbewohner und vieles mehr. Doch der Betrachter sieht nie eine ganze Ansicht des Bildgeschehens, sondern lediglich Ausschnitte, Reflexionen oder Spiegelungen. Auf einigen Fotos scheinen die gezeigten Situationen und Gegenstände oft nicht das zu sein, was sie darstellen. (…)
 In diesem Zusammenhang lassen sich auch die Objekte von János Fodor betrachten, in denen er alltägliche Gegenstände bearbeitet. So hat er beispielsweise bei drei Objekten, einem Tischtennis-, einem Golf- und einem Tennisball das Innere nach Außen gekehrt. Die sichtbare Außenhaut verschwindet jeweils ins Ballinnere und wird unsichtbar, während das eigentlich unsichtbare  Innenleben nun die äußere Oberfläche bildet. Die Bälle verlieren dadurch ihren eigentlichen Zweck und bieten überraschende Ansichten; insbesondere der Tennisball, der in seiner neuen Form eher an ein UFO oder an den behelmten Kopf eines Soldaten erinnert.  (…) Fodor selbst beruft sich auf die Fluxus-Bewegung und deren Erklärung, dass jeder ein Künstler sein könne und dass Kunst und Leben untrennbar miteinander vereint seien. Deutlich wird diese Haltung an einer Reihe von kleinen Objekten. Aus einfachen Weinkorken hat János Fodor inzwischen ein ganzes Universum von einzigartigen Wesen geschaffen: Menschen, Tiere, kleine Kobolde und Dämonen wurden aus dem natürlichen Material geschnitzt und mit Draht und Farbe komplettiert. Do it Yourself Art nennt Fodor diese Kunstwerke, die er jederzeit unabhängig von seinem Aufenthaltsort anfertigen kann und die dadurch fest in seinen künstlerischen Alltag integriert sind.
János Fodor gebraucht zwar unterschiedliche Medien, sie alle dienen ihm jedoch dazu, die gleiche Fragestellung aus unterschiedlichen Perspektiven zu umkreisen: Ist das Sichtbare wirklich das, was es zu sein scheint oder könnte es auch etwas anderes sein? Seine Untersuchungen über das Verhältnis von Oberfläche und Substanz führt er anhand von alltäglichen Gegenständen und Situationen durch. Fragmentarische Bilder, kleine Objekte, trivialen Materialien, kurze Videoclips und stille Fotografien – János Fodors Arbeiten sind zurückhaltend in der Geste, aber nicht im Ausdruck. Er offenbart dem Betrachter die Schönheit des Alltags, das Kuriose, das Chaotische – den Reiz der Monotonie. 
 
Katja Melzer



About the Art of János Fodor

Momentary coincidence is called a conjunction. It might be accidental or intended, but in both cases the phrase denotes a phenomenon that displays a meaning surpassing itself. János Fodor is an excellent observer. He comes and goes in the world, noticing minute details that are self-existent, but for him, these connect with other elements of reality seen at the same time and place. Simple facts lead to association, to seeking connections. Through this process, the selected thing becomes related to another selected thing, thus turning into a channel of meaning. Reality is full of minute details that can become meaningful if matched properly. One of the artists tasks might be to call attention to these relations, stating that our world is a surface filled with conjunctions waiting to be discovered. The connecting link of Fodor´s oeuvre, encompassing several media, is analytic, exploratory behaviour. Be it drawing, photography, object or video, the works display gestures that disclose the hermetic dimensions of the cognition of reality. If there are model conditions to be found in his works, his photographs definitely conform to them. Surprising conjunctions, mostly found in urban environment, call attention to the interpretable accidentality. Street objects, posters, stickers and signs radiate humour and the happiness of recognition. His objects may well be interpreted as projections of seeking connections: his installations and sculptures constructed of found objects display art historic and common associations pertaining to material culture. In his compilations, twentieth century concept- and pop-mentality meets the practice of artistic awareness. Fodor´s videos provide another aspect of his view of the world. Besides the short films expressing the aesthetic and philosophical beauty of accidental events, lately he has been recording sequences exploring the artistic aspects of movements and gestures. A pen leaving a trace on the wall, a geometric shape tapped by ballet shoes on the plaster or the sight of a piece of clothing lashing against the wall; the sight and sound of these convince the viewer in their simplicity of the value and richness of the tiniest details of reality. A drawing is the most personal mark of the artist. In Fodor´s case, his lines consequently depict and align simply drawn figures, which narrate general emotions and relations through their shape and movements, with the help of the ever so acknowledged world of cartoon culture. The unity of this artistic activity arises exactly from its diverseness. The more sides of the same experience he sheds light on, the better he can render its beauty and lovability perceptible. Although Fodor is a man of words, he just cannot tell everything about his experiences. His means of communication beyond verbality is art, with he help of which he can direct focus on such things that most of us would fail to notice.

Zsolt Petrányi
János Fodor „w.T.”,  2009, Detail, Drawing, mix technique, approx. 100 x 70 cm
János Fodor - „w.T.”, 2009, Detail, Drawing, mix technique,
approx. 100 x 70 cm


János Fodor - „w.T.“, 2009 Detail, Drawing, mix technique, approx. 100 x 70 cm
János Fodor - „w.T.“, 2009 Detail, Drawing, mix technique,
approx. 100 x 70 cm


„w.T.“, 2009 Detail, Drawing, mix technique, approx. 100 x 70 cm
János Fodor - „w.T.“, 2009 Detail, Drawing, mix technique,
approx. 100 x 70 cm


„o.T. / w.T“, 2005-2006, Zeichnung / Drawing, 125 x 90 cm
János Fodor - „o.T. / w.T“, 2005-2006, Zeichnung / Drawing, 125 x 90 cm


„o.T. / w.T“, 2005-2006, Zeichnung / Drawing, 125 x 90 cm
János Fodor - „o.T. / w.T“, 2005-2006, Zeichnung / Drawing, 125 x 90 cm


„o.T. / w.T“, 2005-2006, Zeichnung / Drawing, 125 x 90 cm
János Fodor - „o.T. / w.T“, 2005-2006, Zeichnung / Drawing, 125 x 90 cm


„o.T. / w.T“, 2005-2006, Zeichnung / Drawing, 125 x 90 cm
János Fodor - „o.T. / w.T“, 2005-2006, Zeichnung / Drawing, 125 x 90 cm

















„Granaten / Grandes“ 2007 – 2009, Plastik / Plastic, verschiedene Größen / different sizes, 55 Teile, 55 pieces
János Fodor - „Granaten / Grandes“ 2007 – 2009, Plastik / Plastic, verschiedene Größen, different sizes, 55 Teile, 55 pieces


“w.T.”, 2009, objects, plastic different sizes
János Fodor - “w.T.”, 2009, objects, plastic different sizes


„Trimvirat“, 2009, Balsa Holz / Balsa Wood, Ca. 19 x 8 x 10 cm
János Fodor - „Trimvirat“, 2009, Balsa Holz / Balsa Wood, Ca. 19 x 8 x 10 cm


„Honey“, 2007, dreiteilig /  three parts, ca. 15 x 4 x 3 cm
János Fodor - „Honey“, 2007, dreiteilig / three parts, ca. 15 x 4 x 3 cm





„Pandora“, 2009, Farbe auf Leinwand / paint on canvas, Je/each 42 x 42 x 42 cm
János Fodor - „Pandora“, 2009, Farbe auf Leinwand / paint on canvas,
42 x 42 x 42 cm


„Pandora“, 2009, Farbe auf Leinwand / paint on canvas, Je/each 42 x 42 x 42 cm
János Fodor - „Pandora“, 2009, Farbe auf Leinwand / paint on canvas,
42 x 42 x 42 cm


„Pandora“, 2009, Farbe auf Leinwand / paint on canvas, Je/each 42 x 42 x 42 cm
János Fodor - „Pandora“, 2009, Farbe auf Leinwand / paint on canvas,
42 x 42 x 42 cm


„Heat – Goal-Price“, 2009, Platik / Plastic, Dreiteilig / Three parts, Verschiedene Größen / Different Sizes
János Fodor - „Heat – Goal-Price“, 2009, Platik / Plastic,
Dreiteilig / Three parts, Verschiedene Größen / Different Sizes


“Cream”, 2009, Platik / Plastic, Dreiteilig / Three parts, Verschiedene Größen / Different Sizes
János Fodor - “Cream”, 2009, Platik / Plastic, Dreiteilig / Three parts
Verschiedene Größen / Different Sizes


“Traffic”, 2009, Plastik / Plastic, Dreiteilig / Three parts, Verschiedene Größen / Different Sizes
János Fodor - “Traffic”, 2009, Plastik / Plastic, Dreiteilig / Three parts
Verschiedene Größen / Different Sizes


“Schemel / Stool”, 2005, schwarzer Granit / black Granite, 80 x 30 x 15 cm
János Fodor - “Schemel / Stool”, 2005, schwarzer Granit / black Granite,
80 x 30 x 15 cm


„No.7“, 2006, Plastik / Plastic, 7 Teile / seven pieces
János Fodor - „No.7“, 2006, Plastik / Plastic, 7 Teile / seven pieces